Keime sind unerwünscht
Versuche an einer realen Lüftungsanlage zeigen: Mit steigender Feuchte steigt der Gehalt an Mikroorganismen in der Zuluft. Zudem ändert sich die Zusammensetzung der Keime.Die Akzeptanz einer
Lüftungsanlage durch die Bewohner wird durch verschiedene Faktoren
beeinflusst. Ein wichtiger ist der hygienische Zustand. Verschiedene
internationale Studien zeigen, dass die Lüftung negativen Einfluss auf
das Wohlbefinden der Raumnutzerinnen und -nutzer haben kann. Die Gründe
sind zwar unklar. Aber trotzdem ist der Hygiene innerhalb von
Lüftungsanlagen vorsorglich Beachtung zu schenken. In der Schweiz
widmet sich die Richtlinie SWKI VA 104-01 (vormals SWKI 2003-5) den
Hygiene-Anforderungen an Raumlufttechnische Anlagen und Geräte.
Ein Instrument zur Überprüfung der Hygiene stellt die Luftkeimmessung dar. Werden hohe Keimkonzentrationen nachgewiesen, lassen sich die versteckten Hygienemängel aufdecken. Als Keim-Quelle innerhalb der Anlage kann beispielsweise stehendes Wasser im Erdregister gefunden werden. Darf bei tiefer Luftkeimkonzentration demgegenüber immer auf eine saubere Anlage geschlossen werden?
In der Praxis liegen die gemessenen Keimkonzentrationen in der Zuluft häufig sehr tief und deutlich unterhalb der
Aussenluftwerte, unabhängig vom Hygienestatus der Anlage. Selbst Anlagen mit sehr stark verschmutzen inneren Oberflächen können tiefe Luftkeimkonzentrationen der Zuluft aufweisen. Hier stellt sich die Frage, ob zum falschen Zeitpunkt gemessen wurde. Mikroorganismen wie Schimmelpilze brauchen für ihr Wachstum einen bestimmten Feuchtegehalt. Sonst gedeihen sie nicht.
Um dem Verhältnis Keimwerte-Anlageustand nachzugehen, wurde eine stark verschmutzte Lüftungsanlage während zweier Wochen künstlich befeuchtet. Damit konnte eine durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent erreicht worden.
Nach zwei Wochen verschimmelte Filter
Der Versuch zeigte, dass innerhalb der Lüftungsanlage die Keime im Luftstrom bei hoher Feuchtigkeit tatsächlich anstiegen. Analysen der Oberflächen zeigten ebenfalls einen Anstieg der Keimkonzentrationen. Der hölzerne Filterrahmen beispielsweise war nach den zwei Versuchswochen sichtbar verschimmelt. Bedeutsam ist aber auch die Veränderung des Keimspektrums. Denn im Verlauf der Befeuchtungsphase nahm der Anteil an Hefen signifikant zu.
Dass ein Reinigen der Lüftungsanlage möglichen ist, bestätigen sowohl die optische als auch die messtechnische Analyse der Luftkeimwerte. Dafür wurden zwei Verfahren angewendet: eine übliche Reinigungsmethode mittels Aussprühen (Variante 1) sowie die zusätzliche manuelle Reinigung (Variante 2). Allerdings zeigte sich bei stark verschmutzen Anlagen, dass erst die zusätzliche Handreinigung die gewünschten tiefen Konzentrationen an den Oberflächen bringt. Auf diese beiden Punkte sind beim Betrieb einer Lüftungsanlage deshalb zu achten:
Reale Gegebenheiten simuliert
Dass die für den Keim-Versuch gewählten Feuchtebedingungen den realen Bedingungen durchaus nahe kommen, belegen folgende Fakten:
Ein Instrument zur Überprüfung der Hygiene stellt die Luftkeimmessung dar. Werden hohe Keimkonzentrationen nachgewiesen, lassen sich die versteckten Hygienemängel aufdecken. Als Keim-Quelle innerhalb der Anlage kann beispielsweise stehendes Wasser im Erdregister gefunden werden. Darf bei tiefer Luftkeimkonzentration demgegenüber immer auf eine saubere Anlage geschlossen werden?
In der Praxis liegen die gemessenen Keimkonzentrationen in der Zuluft häufig sehr tief und deutlich unterhalb der
Aussenluftwerte, unabhängig vom Hygienestatus der Anlage. Selbst Anlagen mit sehr stark verschmutzen inneren Oberflächen können tiefe Luftkeimkonzentrationen der Zuluft aufweisen. Hier stellt sich die Frage, ob zum falschen Zeitpunkt gemessen wurde. Mikroorganismen wie Schimmelpilze brauchen für ihr Wachstum einen bestimmten Feuchtegehalt. Sonst gedeihen sie nicht.
Um dem Verhältnis Keimwerte-Anlageustand nachzugehen, wurde eine stark verschmutzte Lüftungsanlage während zweier Wochen künstlich befeuchtet. Damit konnte eine durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent erreicht worden.
Nach zwei Wochen verschimmelte Filter
Der Versuch zeigte, dass innerhalb der Lüftungsanlage die Keime im Luftstrom bei hoher Feuchtigkeit tatsächlich anstiegen. Analysen der Oberflächen zeigten ebenfalls einen Anstieg der Keimkonzentrationen. Der hölzerne Filterrahmen beispielsweise war nach den zwei Versuchswochen sichtbar verschimmelt. Bedeutsam ist aber auch die Veränderung des Keimspektrums. Denn im Verlauf der Befeuchtungsphase nahm der Anteil an Hefen signifikant zu.
Dass ein Reinigen der Lüftungsanlage möglichen ist, bestätigen sowohl die optische als auch die messtechnische Analyse der Luftkeimwerte. Dafür wurden zwei Verfahren angewendet: eine übliche Reinigungsmethode mittels Aussprühen (Variante 1) sowie die zusätzliche manuelle Reinigung (Variante 2). Allerdings zeigte sich bei stark verschmutzen Anlagen, dass erst die zusätzliche Handreinigung die gewünschten tiefen Konzentrationen an den Oberflächen bringt. Auf diese beiden Punkte sind beim Betrieb einer Lüftungsanlage deshalb zu achten:
- Bei der «richtigen» Feuchte steigt die Keimkonzentration in der Zuluft.
- Die Reduktion der Keimkonzentration auf der Oberfläche ist abhängig vom Reinigungsverfahren.
Reale Gegebenheiten simuliert
Dass die für den Keim-Versuch gewählten Feuchtebedingungen den realen Bedingungen durchaus nahe kommen, belegen folgende Fakten:
- Die durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit liegt in der Schweiz bei etwa 70 bis 80%, beispielsweise in Luzern 78% (Quelle Meteoschweiz). In Abhängigkeit von Wetterlage, Tageszeit und Anlagentyp kann es innerhalb einer Lüftung zu hohen relativen Feuchten kommen.
- Schimmelpilze gedeihen je nach Art ab einer relativen Feuchte von etwa 70%. Sie breiten sich immer noch aus, wenn nur ein paar Stunden pro Tag eine hohe Feuchtigkeit herrscht. Zusätzliche länger andauernde Versuche darüber zu starten, wäre aber hilfreich.
- Die Schlussfolgerungen des zweiwöchigen Tests untermauern insbesondere die Aussagen der Hygienerichtlinie SWKI VA 104-01:
- Lüftungsanlagen sollen regelmässig gewartet und gereinigt werden.
- Die Anlagen sollen regelmässig einer Hygieneinspektion unterzogen werden (alle 2 Jahre bei befeuchteten Systemen, ansonsten alle 3 Jahre).
- Es sollen nur Materialen verwendet werden, die keinen Nährboden für Mikroorganismen darstellen.
- In den Ausschreibungen respektive Werkverträgen soll von der Bauherrschaft standardmässig und explizit die Planung und Ausführung nach SWKI VA 104-01 verlangt werden.
Text: Roland Ganz
