Qualitätsmerkmale

Bei Wohnungslüftungen gibt es einige kritische Punkte, die später über Freud und Leid der Benutzer entscheiden.

Arten der Lüftung

Lüftungsmethoden und Lüftungssysteme nach SIA
  • Fensterlüftung
  • Reine Abluftanlage
  • Einfache Lüftungsanlage, mit Wärmerückgewinnung (WRG) (entspricht der Komfortlüftung nach Minergie)
  • Einzelraumlüftungsgeräte
  • Lüftungsanlage mit Lufterwärmung (mit WRG zur Vorwärmung)
Quelle: SIA Merkblatt 2023

Schallschutz

Der von der Lüftungsanlage verursachte Schalldruckpegel darf tags und nachts den Wert von 25 dBA bei Normalbetrieb nicht überschreiten. Die Norm SIA 181 »Schallschutz im Hochbau« enthält ebenfalls Anforderungen.
Quelle: SIA Merkblatt 2023

Überströmdurchlässe

Überströmdurchlässe in Wänden mit einer Türe sollen schalldämmend ausgebildet sein und ein Bau-Schalldämmmass von R’w grösser als 10 dB aufweisen (bezogen auf den Durchlass alleine). Mit diesem Schalldämmmass bewegen sich die Schwächungen des Schallschutzes zwischen den beiden betroffenen Räumen in einer ähnlichen Grössenordnung wie mit einem Luftspalt unter der Tür.
Quelle: Merkblatt Minergie, EnergieSchweiz, Komfortlüftungen, Technische Ergänzungen für den Lüftungsplaner

Wärmerückgewinnung

Lüftungstechnische Anlagen mit Aussen- und Fortluft benötigen eine Wärmerückgewinnung. Anforderungen:
  • Der Temperaturänderungsgrad des Wärmetauschers (nach SN EN 308) soll mindestens 70 % betragen.
  • Der Wärmebereitstellungsgrad gemäss deutscher Geräteprüfung soll grösser als 85% sein.
Der Temperaturänderungsgrad kann mit der folgenden Formel abgeschätzt werden:

tl_files/images/Merkmale2.png
Dabei ist tABL die Temperatur am Abluftstutzen, tFOL am Fortluftstutzen, tZUL am Zuluftstutzen und tAUL am Aussenluftstutzen. Die Lufttemperatur am Aussenluftanschluss des Geräts sollte zwischen 0°C und +8°C liegen. tl_files/images/Merkmale1.png
Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen reinen Wärmeübertragern, die nur sensible Wärme (Temperatur) übertragen, und Enthalpierückgewinnern, die neben der Temperatur auch Feuchte austauschen. Bei zusätzlicher Übertragung von Feuchte ist der Feuchterückgewinn durch die Rückfeuchtezahl quantifiziert.
Quelle: Minergie, EnergieSchweiz, Merkblatt Komfortlüftungen, Technische Ergänzungen für den Lüftungsplaner.

Luftfeuchte

Die angestrebte Raumluftfeuchte liegt gemäss Norm SIA 382/1 zwischen 30% (als Untergrenze im Winter) und 60% (als Obergrenze im Sommer). Eine permanente Befeuchtung der Luft wird nicht empfohlen. Der Energieverbrauch und der Unterhalt von solchen Anlagen ist gross. Zudem ist besteht ein Risiko für hygienische Probleme.
  • Abhilfe bringt allenfalls eine Kombination von Wärmerückgewinnung mit Feuchteübertragung (Enthalpierückgewinner anstelle eines Plattenwärmetauschers).
  • Reduktion der Aussenluftraten bis auf 15 m3/h pro Person im Winter zur Vermeidung von zu trockener Raumluft.
Quelle: SIA Merkblatt 2023

Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle

Beim Betrieb von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung ist die Dichtheit der Aussenbauteile entscheidend für die erzielbare Energieeinsparung. Die Norm SIA 180 verlangt eine grundsätzlich luftdichte Gebäudehülle.
  Spezifischer Volumenstrom (Δp = 4Pa)
Grenzwert Zielwert
Neubauten 0,75 m3/hm2 0,5 m3/hm2
Umbauten, Erneuerungen 1,5 m3/hm2 1,0 m3/hm2

Bei Bauten mit einfacher Lüftungsanlage oder reiner Abluftanlage müssen die Zielwerte eingehalten werden. Die Luftdurchlässigkeit darf in keiner Zone 2 m3/h m2 überschreiten.
Quelle: SIA Merkblatt 2023, SIA-Norm 180

Aussenluftrate

Grundlüftung: Bei schwach oder nicht besetzten Räumen empfiehlt sich aus hygienischen Gründen die Einhaltung eines Aussenluftwechsels von mindestens 0,2/h (Aussenluftrate 0,5 m3/h m2, bezogen auf die Nettofläche) oder eine ausreichende Vorspülung des Raumes vor der Belegung.
Lüftungsanlage: Der minimale Zuluftvolumenstrom einer Lüftungsanlage hängt von der Anzahl Zimmer, der Personenebelegung und davon ab, ob sich Zimmer im Durchströmbereich befinden oder nicht.
Anzahl Zimmer Anzahl Personen Minimaler Zuluftvolumenstrom
    mit Zimmer im Durchströmnbereich ohne Zimmer im Durchströmbereich
1 und 1,5 1 - 36 m3/h
2 und 2,5 1 40 m3/h 60 m3/h
  2 60 m3/h 70 m3/h
3 und 3,5 2 70 m3/h 90 m3/h
  3 90 m3/h 100 m3/h
4 und 4,5 3 100 m3/h 120 m3/h
  4 115 m3/h 135 m3/h
5 und 5,5 4 130 m3/h 150 m3/h
  5 140 m3/h -

Bei doppelt belegten Schlafzimmern kann der Zuluftvolumenstrom erhöht werden.
Die Abluftvolumenströme sind bei mechanischen Zu- und Abluftsystemen in der Regel durch den Zuluftvolumenstrom und die geforderten Druckverhältnisse gegeben. Ansonsten gelten die Minimalwerte in der folgenden Tabelle (bei Kleinwohnungen mit weniger als 3 Zimmern können die Werte um 30% reduziert werden).
Nutzung Minimaler Abluftvolumenstrom
  kontinuierlicher Betrieb
(mindestens 12h/d)
bedarfsgesteuerter Betrieb
Küche (Raumabluft) 40 m3/h 150 m3/h
Bad, Dusche 40 m3/h 50 m3/h
WC (ohne Dusche) 20 m3/h 50 m3/h

Für die Lufterneuerung mit Wärmerückgewinnung sind die tatsächlichen Werte einzusetzen. Zum Beispiel 70% WRG vom Luftvolumenstrom der Lüftungsanlage (aber ohne Luftwechsel durch Durchlässigkeit der Gebäudehülle).

Wirksamer Aussenluftvolumenstrom

Der thermisch wirksame Aussenluftvolumenstrom ist der über eine Berechnungsperiode gemittelte Aussenluftvolumenstrom (Luftaustausch über die Systemgrenze Umgebung-Gebäude) bezogen auf die Energiebezugsfläche ohne Raumhöhenkorrektur EBF0. Bei Gebäuden mit mechanischer Lüftung ist bei einer Berechnung mit Standardnutzung SIA 380/1 ein Aussenluftvolumenstrom von 0,7 m3/h m2 einzusetzen (für MFH, EFH, Büro, Schulen, Verkauf, etc.). Für den Minergie-Nachweis oder eine Optimierung ist der effektive thermisch wirksame Aussenluftvolumenstrom einzusetzen.
Quelle: SIA 380/1, Thermische Energie im Hochbau, 2001

Elektrische Energie

Der Elektrizitätsbedarf der Lüftungsanlage hängt ab von
  • der Effizienz der Ventilatoren (Antriebsmotoren)
  • dem Druckabfall im Lüftungsgerät (Filter, Wärmetauscher)
  • dem Luftverteilsystem (Kanalformen etc.)
  • Der Grenzwert beträgt für alle Anlagen 0,42 W/m3 h, der Zielwert für gute Anlagen 0,2 W/m3 h.
    Quelle: SIA Merkblatt 2023

  • Einflussfaktoren
    • Ventilatorantriebe mit Gleichstom- oder EC-Motoren brauchen nur etwa halb soviel Strom wie Ventilatorantriebe mit Wechselstrommotoren.
    • Der Druckabfall der Luftverteilung soll sowohl auf der Zuluftseite wie auch auf der Abluftseite bei höchstens 100 Pa liegen. Bei einer grosszügigen Dimensionierung sind 50 Pa erreichbar, was nicht nur Ventilatorenergie einspart, sondern auch die Schallemissionen stark reduziert.
    • Taschen- oder Zellenfilter weisen einen deutlich kleineren Druckabfall auf als Filtermatten. Zudem ist die Standzeit bei Taschen- oder Zellenfilter deutlich länger.
    • Standard-Ventilatorleistung nach Minergie: Für Systeme mit Zu- und Abluft und WRG, Feinfilter (F5 bis F9): 0,40 W/m3h
    Quelle: Minergie, EnergieSchweiz, Merkblatt Komfortlüftungen, Technische Ergänzungen für den Lüftungsplaner

    Luftgeschwindigkeit in den Kanälen

    Werte für den Kanton Zürich: Die Luftgeschwindigkeiten in Lüftungs- und Klimaanlagen von Bauten sind nach dem jeweiligen Stand der Technik zu wählen. Sie dürfen in Apparaten, bezogen auf die Nettofläche, 2 m/s und in Kanälen folgende Werte nicht überschreiten:
    bis 1000 m3/h: 3 m/s
    bis 2000 m3/h: 4 m/s
    bis 4000 m3/h: 5 m/s
    bis 10000 m3/h: 6 m/s
    über 10000 m3/h: 7 m/s.
    Quelle: Besondere Bauverordnung I des Kantons Zürich

    Für kleine Luftvolumenströme, wie in Zuleitungen für einzelne Zimmer, führt selbst eine Luftgeschwindigkeit von 3 m/s zu relativ hohen Druckverlusten. Unter 100 m3/h soll deshalb eine Luftgeschwindigkeit zwischen 2 m/s und 2,5 m/s angestrebt werden. Das bedeutet, dass eine Zuluftleitung für ein Zimmer einen Innendurchmesser von 65 mm bis 80 mm haben soll. (Achtung: Bei Kunststoffleitungen geben die Lieferanten oft den Aussendurchmesser an.)

    Filter

    Für eine hohe Luftqualität empfiehlt es sich, nur Filter der Qualitätsstufe F zu verwenden (Feinstaubfilter). Vorzugsweise sind dies Vorfilter F5 bis F7 und ein nachgeschalteter Filter der Qualität F7 bis F9. Bei Anlagen mit zwei Filterstufen muss die erste Filterstufe vor und die zweite nach der Luftaufbereitung angeordnet sein.
    In der Abluft soll mindestens die Filterklasse G3 eingesetzt werden (Grobstaubfilter). Bei einer Wärmerückgewinnung mit Rotationswärmetauscher ist mindestens die Filterklasse F5 erforderlich. Damit ein Filter hygienisch einwandfrei ist, darf die durchschnittliche relative Luftfeuchte innerhalb von drei Tagen nicht über 80% liegen.
    Quelle: SIA Merkblatt 2

    Aussenluft Filterklasse pro Filterstufe je nach Lüftungssystem
      Einfache Lüftung, Mehrwohnungs- anlagen Einfache Lüftung, Einzelwohnungs- anlagen Einzelraum- Lüftungsgeräte Aussenluftdurch- lässe von reinen Abluftanlagen
    Sauber oder nur gasförmige Verunreinigungen F8 F7 F5 G3
    Hohe Konzentrationen an Staub oder Feinstaub F6, F8 F5, F7 F7 F5

    Dokumentation

    • Eine Hilfe für Bauherrschaften ist das Besteller-Kit für Komfortlüftungen. Es kann bestellt werden unter www.minergie.ch (unter Service -> Kiosk -> Baufachinfos)
    • Eine umfangreiche Liste mit geprüften Lüftungssystemen bietet das Europäische Testzentrum für Wohnungslüftungsgeräte e.V. an. Preis: 44 €. Bezug: info@tzwl.de oder Tel. +49(0) 231 534 770