Minergie für Mieter

In den Minergie-Häusern in Zollikofen verfügt jede Wohnung nicht nur über ein eigenes Lüftungsgerät, sondern auch über getrennte Aussen- und Fortluftrohre.

Ein lineares Siedlungsmuster mit höhengestaffelten, Ost-West-orientierten Wohnhäusern in einem Grünraum mit zahlreichen Bäumen – die einfachen Baukörper und die fliessende Umgebung stehen im Gleichgewicht. So die Idee der Architekten, Burkard, Meyer in Baden. Sie gewannen den mehrstufigen Wettbewerb für die Überbauung Häberlimatte in Zollikofen mit ihrem Projekt »Gleichgewicht«. Geplant sind elf Reihen-Einfamilienhäuser und elf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 184 Wohnungen.
In der ersten Bauetappe entstanden in den Jahren 2002 bis 2004 fünf Reihen-Einfamilienhäuser und fünf Mehrfamilienhäuser mit 60 Miet- und 19 Eigentumswohnungen. Die Häuser der zweiten Etappe, sechs Reihen-Einfamilienhäuser und weitere drei Häuser mit Eigentumswohnungen, sollen zwischen Frühling 2005 und Herbst 2006 bezugsbereit sein. Für die letzte Etappe sind drei Mehrfamilienhäuser mit weiteren 53 Wohnungen geplant.

Jeder Wohnung ihr eigenes Rohr
In der Überbauung Häberlimatte müssen 75 % der Gebäude den Minergie-Standard erfüllen – so die Auflage der Gemeinde. Damit geniessen nicht nur Eigentümer, sondern auch Mieter den Minergie-Komfort. Die vier Mehrfamilienhäuser der ersten Etappe sind nach dem weit verbreiteten Standard gebaut. Das Warmwasser wird mit Sonnenkollektoren vorgewärmt und jede Wohnung ist mit einer eigenen Komfortlüftung ausgerüstet. Die kompakten Geräte sind in Technikschränken bei der Garderobe untergebracht.
Die Aussenluft wird unter der Kellerdecke an der Nordostfassade in einem separaten Lichtschacht angesaugt und über die Steigzone in der Mitte des Gebäudes zu den Lüftungsgeräten geführt. Jede Wohnung wird dabei über ein eigenes Rohr versorgt. Dasselbe gilt für die Fortluft, die in einzelnen isolierten Rohren zum Dach geführt wird und dort in kombinierten Lüftungs-und Sanitärhauben austritt. Auch die Dampfabzüge der Küchen münden in eigene Fortluftleitungen zum Dach. Durch die getrennte Leitungsführung sind die Lufterneuerungen der Wohnungen autonom – ein Konzept, das viele Vorteile bietet.
haeberlimatte
In den vier Miethäusern der ersten Bauetappe wird jede Wohnung mit einer separaten Luftführung versorgt. (Gabriela Feldmann)
Effiziente Wärmerückgewinnung
In den Lüftungsgeräten wird die Abluft gefiltert und über einen Kreuzgegenstrom-Wärmetauscher geführt. Dabei gibt sie ihre Wärme an die Zuluft ab, die mit einer Temperatur von 1 K bis 2 K unterhalb der Raumtemperatur eingelassen wird. Der Wirkungsgrad dieser Wärmerückgewinnung beträgt laut Herstellerangaben über 90 %. Damit kann die Zuluft selbst bei Aussentemperaturen um den Gefrierpunkt auf 18 °C aufgewärmt werden. In der Übergangszeit strömt die Zuluft bei Bedarf durch einen Bypass. Auf ein Erdregister verzichtete die Bauherrschaft.
In die Schlaf- und Wohnräume gelangt die Zuluft über Quellauslässe in Bodennähe. Durch Überströmöffnungen in Form von schallgedämmten Gittern über den Türen tritt die Luft weiter in Korridore, von dort durch Türschlitze in Badezimmer, Toiletten und Küche. In den Nasszellen und je nach Grösse der Wohnung in den Reduits wird die Abluft an der Decke abgesaugt.
Dampfabzüge in den Küchen entziehen zusätzlich Luft über der Kochstelle. Damit die Luftmengenbilanz stimmt, ist für die Ersatzluft eine direkte Nachströmung aus dem Freien vorgesehen. Die Ersatzluft wird über Aussenluftdurchlässe in den Reduits der Balkone erfasst und strömt durch Gitter in der Blende der oberen Schränke in die Küchen. Die Aussenluftdurchlässe sind mit dichten Motorklappen geschlossen, die direkt vom Dampfabzug angesteuert werden. Sobald der Ventilator in Betrieb ist, wird die Klappe geöffnet.

Nichts zu hören
Die Hauptleitungen der Zuluft und Abluft zwischen Lüftungsgerät und Wohnräumen sind mit Schalldämpfern ausgerüstet. Dank der getrennten Aussen- und Fortluftleitungen entsteht zudem kein Telefonieffekt. Das heisst, es findet keine Übertragung von Geräuschen in andere Wohnungen über die Lüftungskanäle statt. Um Strömungsgeräusche zu vermeiden, wird die Luftgeschwindigkeit in den Rohren auf 2 m/s beschränkt. Auch Ventilatorgeräusche sind keine zu hören. Schallmessungen bestätigten dies: Die von der Bauherrschaft vorgeschriebenen Werte – Schlafzimmer 20 bis 25 dB, Wohnzimmer 25 bis 30 dB, Bad und WC 30 bis 35 dB – wurden nirgends überschritten.
Gesteuert werden die Lüftungsgeräte über einen dreistufigen Schalter. Die Luftmenge ist damit in jeder Wohnung individuell, zwischen 40 m3/h und 260 m3/h einstellbar. In den Mietwohnungen wurde die Nullstellung auf Wunsch der Bauherrschaft überbrückt. Feuchtigkeitsschäden aufgrund eines mangelnden Luftaustausches sollen dadurch verhindert werden. Die Zwangssteuerung der Anlage hat jedoch auch Nachteile: Im ungewöhnlich heissen Sommer 2003 klagten die Mieter über den Wärmeeintrag durch die Lüftung. Denn ohne Erdregister ist die Zuluft nicht vorgekühlt.

Separate Luftführung bietet Vorteile
  • Schallschutz: Bei gemeinsamen Lüftungskanälen entsteht der so genannte Telefonieeffekt. Das heisst, Geräusche können über gemeinsame Rohre von einer Wohnung in die andere übertragen werden. Autonome Anlagen verfügen über getrennte Aussen- und Fortluftrohre. Telefonieschall ist damit kein Thema.
  • Brandschutz: Da die Wohnungen nicht durch gemeinsame Lüftungskanäle verbunden sind, erübrigt sich der Einbau von Brandschutzklappen.
  • Individuelle Einstellungen: Die Luftmenge kann direkt am Lüftungsgerät, damit für jede Wohnung individuell, eingestellt werden. Als Option können die Mieter auf ihre Kosten Pollenschutzfilter installieren lassen.
  • Getrennte Abrechnung: Die Lüftungsgeräte laufen über die Elektrozähler der jeweiligen Wohnung. Der Vermieter muss den Strom für die Lüftung also nicht separat in Rechnung stellen.
  • Unabhängigkeit: Beim Verkauf der Wohnungen sind keine aufwändigen Regelungen für die Benutzung und Wartung einer gemeinsamen Anlage nötig. Die Lüftung gehört wie jedes andere elektrische Einbaugerät zur Wohnung.

Text: Christa Rosatzin-Strobel

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